Projektlaufzeit
12/2024 - 12/2026
Kurzbeschreibung
Im Ökoweinbau kann die Pflanzenkrankheit Falscher Mehltau zu großen Ertragsverlusten führen. Die Bekämpfung mit Kupfer ist zwar zugelassen, aber ökologisch fragwürdig. Das Projekt „Nachhaltige biologische Kontrolle des Falschen Mehltaus der Weinrebe (PeroStilL)“ testet bioaktive Naturstoffe, die aus dem Holz der Weinrebe extrahiert werden und sowohl im Laborversuch als auch im Freiland in ersten Studien Wirksamkeit gegen den Mehltau zeigen.
Die Europäische Union (EU) ist der weltweit führende Produzent, Exporteur sowie Konsument von Wein (2023) und umfasst nahezu 50 % der weltweit geernteten Rebfläche (2024). Mit einem Ertrag von 130 Milliarden Euro und der Schaffung von annähernd 3 Millionen Arbeitsplätzen im Jahr 2022 nimmt der Weinsektor eine Schlüsselrolle für die Handelsbilanz der EU sowie für die sozioökonomische Nachhaltigkeit ihrer ländlichen Regionen ein. Der Falsche Mehltau der Weinrebe, verursacht durch den Oomyceten Plasmopara viticola, zählt zu den weltweit verheerendsten Krankheiten der Weinrebe, mit Ertragsverlusten von bis zu 75 % und einer besonders ausgeprägten Suszeptibilität der Europäischen Weinrebe (Vitis vinifera). Historisch niedrige Produktionsvolumina im Weinsektor, welche auf Faktoren wie herausfordernde klimatische Bedingungen und erhöhte Infektionsdrücke durch Erreger zurückgeführt werden, sowie besorgniserregende Projektionen zukünftiger Pandemien im Zuge des Klimawandels, betonen die Signifikanz effektiver, zukunftsorientierter Strategien zur Erregerkontrolle. Kupfer ist seit 1885 als chemisches Pestizid im Einsatz und wird aufgrund des Fehlens viabler Alternativen weiterhin im Ökolandbau toleriert, allerdings gemäß DVO (EU) Nr. 540/2011 als „Candidate for Substitution“ klassifiziert, da es aufgrund seiner Langlebigkeit in der Natur mit einer Ökotoxizität gegenüber Mikro- und Makroorganismen (darunter Pflanzen) sowie Schadwirkungen auf Bodendiversität und -fertilität assoziiert wird. Die Entwicklung neuer Strategien, welche den Einsatz chemischer Pestizide reduzieren sollen, ist ein Schlüsselziel der EU-Politik, welche durch Initiativen wie die „Farm to Fork“ Strategie eine Halbierung des Einsatzes chemischer Pestizide bis zum Jahr 2030 anstrebt. Im Rahmen des Projektes PeroStilL sollen nachhaltige, pflanzenbasierte Strategien in der Biokontrolle des Falschen Mehltaus der Weinrebe (Plasmopara viticola) entwickelt werden. Im Fokus stehen stilbenhaltige Rohextrakte aus dem Holz der Weinrebe (Vitis vinifera) selbst, welche als natürliche antimikrobielle Wirkstoffe ein hohes Potenzial für den Einsatz im ökologischen und integrierten Weinbau aufweisen und hier langfristig zur Reduktion des Einsatzes von chemisch-synthetischen Pestiziden, insbesondere von Kupferpräparaten, beitragen können. Projekt PeroStilL konnte in der aktuellen zweiten Förderphase die vielversprechenden Bioaktivitätshinweise aus initialen, kontrollierten Laboruntersuchungen zu einem eindeutigen Wirksamkeitsnachweis in praxisnahen Freilandstudien im Weinberg weiterentwickeln und präsentiert so weitere Evidenz für das Potenzial stilbenhaltiger Rebenrohextrakte in der nachhaltigen Biokontrolle des Falschen Mehltaus der Weinrebe. Dieser Erfolg wurde durch praktische Innovationen ermöglicht, insbesondere durch die Etablierung eines skalierten Prozesses zur Rebenholzzerkleinerung und -extraktion, der eine gleichbleibende Qualität und Bioaktivität produzierter Extrakte ermöglichte, sowie durch die Entwicklung einer neuer Spritzmittelformulierung mit ausgewählten Formulierungshilfsstoffen zur Verbesserung physikochemischer Eigenschaften der Formulierung. Die konsistente Batch-to-Batch Qualität wurde mittels Chromatographie/Spektroskopie bestätigt und initiale Biokompatibilitätsstudien sowie Rückstandsuntersuchungen an Weinrebenpflanzen wurden durchgeführt.